Soldatenabschied
1) Des Morgens drei viertel auf viere,
Müssen wir Soldaten marschieren.
Wir marschieren das Gässlein auf und ab,
Schönster Schatz, komm oben herab !
2) Ich kann nicht oben herunter kommen,
Denn es gibt viele falsche Zungen,
Die schneiden uns ab die Ehr,
Schönster Schatz, je länger, je mehr.
3) Tun sie uns die Ehr abschneiden,
Mit Geduld müssen wir es leiden.
Wir leiden es mit Geduld,
Schönster Schatz, wir haben’s verschuld’t.
4) Es mag regnen oder schneien,
Kein Weg, der tut mich reuen,
Kein Füsslein tut mir weh,
Wenn ich zu meinem Schätzelein geh.
5) Aber eins, das tut mich kränken,
Wenn ich stets tu daran denken,
Dass sie mir so manche Nacht
So treuelich hat aufgemacht.
6) Schatz, ach Schatz, wann wirst du wiederkommen,
Sei’s im Winter oder Sommer ?
Sag mir die gewissene Stund,
Schönster Schatz, wenn du wiederum kommst.
7) Die gewissene Stund kann ich nicht sagen,
Denn ich gehör keine Uhr mehr schlagen,
Wir zogen soweit ins Feld,
Streiten für das kaiserliche Geld.
8) Ach Kamrad, ich bin geschossen,
Eine Kugel hat mich getroffen.
Geh für mich in mein Quartier,
Bis dass ich verbunde wär.
9) Ach Kamrad, kann dir nicht helfen,
Helfe dir der lieb Gott selber,
Helfe dir’s der liebe, liebe Gott,
Morgen früh marschieren wir fort.
10) Mancher Soldat, der wird geschossen,
Manche Kugel hat ihn getroffen,
Ein mancher Reiter ohne Pferd
Muss dann küssen dreimal die Erd.
Source :
« Verklingende Weisen, Lothringer Volkslieder », Louis Pinck, vol. 2, page 179 (voir bibliographie)